Ein Japaner fotografiert die schwer desolaten Telefonzellen in der U-Bahnstation Südtirolerplatz. Der arabisch aussehende Zeitungsverkäufer, 2 Meter daneben: “Was fotografierst du Scheissgraffl? Wien is so eine schene Stadt, gibt genug schene Sachen zum Fotografieren!” Der Japaner lächelt freundlich nickend - und fotografiert den Zeitungsverkäufer.
Donnerstag, 11.03.2010
Wien, bunt
Mittwoch, 17.02.2010
Splitter aus der Spurensuche
Früh-Großmütterlicher Humor. (Wo hat sie den später nur gelassen?)

Montag, 15.02.2010
No Buzz today
Ich hab mein Buzz abgedreht, und zwar ganz und gar. Allerdings nicht aus berechtigten oder diffusen Privacy-Sorgen, sondern aus einem ganz und gar egoistisch-bodenständigen Grund: Es nervt.
Es nervt aus mehreren Gründen. Zum einen sitzt es in seiner lieblich bunten Klick-Identität genau dort, wo meine ohnehin leicht zu erschütternde Aufmerksamkeitsspanne am verletzlichsten ist. Jetzt ganz schnell diese wichtige Mail beantworten! - ach, 8 neue Buzzes, mal sehen, ah, spannender Link, woah, was ist das für eine Geschichte?
Zum zweiten ist es neue Quelle wie Mündung endloser Redundanzen. Ich mag keine Wiederholungen, und ich mag mich nicht wiederholen. Buzz wär dann interessant, wenn es “alle” nutzen, also alle, die mich interessieren, sodass man twitter und facebook streichen könnte - aber das wird kaum passieren.
Zum dritten ist es hässlich. Das liegt natürlich im Auge des Betrachters, ich mags nicht anschauen.
Und dann ist es unberechenbar. Flutscht der Tweet jetzt gleich rüber oder erst nach Stunden? Kommt das update mit Bild an oder ohne? Warum kann man manche Buzzes aufklicken, andere nicht?
Und last, not least, diese local Buzzes rauben mir den Nerv. Wenn ich mit Leuten aus meinem Grätzl reden will, dann geh ich runter ins Cafe. Wenn ein creepiger Name mit noch viel creepigerem Profilbild und seltsam anmutenden Inhalten mir “folgt”, weil er merkt, dass ich von um die Ecke buzze, dann gefällt mir das gar nicht. Das “social” im Social Netz kommt für mich daher, dass man Menschen mit ähnlichen Interessen findet, nicht solche, die ein paar hundert Meter entfernt an einer ganz anderen Weltsicht basteln.
Allerdings ist es bislang noch immer so gewesen, dass die Dienste, die ich gar nicht wollte, richtig geboomt haben. Also viel Glück, Buzz!
Freitag, 12.02.2010
Industrial Percussion
Irgendwann im letzten Sommer fand ich diese Laster-Sounds faszinierend genug, um sie aufzunehmen…
Schritte
Sie steht neben mir und flüstert. “Deine Hände, komm gib mir deine Hände”, im Tonfall eines Mantras, das seine Bedeutung längst verloren hat. Sie spricht nicht zu mir. Wir sind alleine. Ich habe eine Ahnung, wie er aussieht, der, zu dem sie spricht, blond ist er und froh und nicht ganz von dieser Welt. Nicht wie ein Engel: wie ein Bergbewohner vielleicht, oder ein Pilot, oder sonst jemand, der gewohnt ist, die Dinge aus der Entfernung zu betrachten.
“Komm, lass uns gehen” sage ich und will gar nicht. Einen Augenblick scheint es, als würde sie stattdessen auf das Brückengeländer steigen, ich sehe es, wie sie die Arme ausbreitet, der Wind in ihrem Haar, wie sie springt ohne zu fallen und davonfliegt stattdessen, Richtung Osten, wo bald die Sonne aufgeht.
Sie steigt nicht. Sie springt nicht. Sie fliegt nicht. Sie lächelt ein kleines Lächeln, als wüsste sie genau, was ich denke, greift fast nach meiner Hand, geht dann neben mir, Richtung Süden. Dort, wo bald die Sonne aufgeht, wird der Himmel schon rot. “Ich bin du” sagt sie und spricht jetzt doch zu mir. “Nein.” sage ich.
Von dort, wo bald die Sonne aufgehen wird, kommt ein Schwarm Vögel. Sie zwitschern hell, es klingt wie das Glitzern von Sonne auf einem kleinen Bach. Sie fliegen über uns, drehen einen Halbkreis. Es sieht aus, als würde der Schwarm über uns stehen. Dann verschwinden sie, Richtung Stadt. “Ich bin eine Schwalbe” sagt sie. “Nein.” sage ich, und dann: “Außerdem waren das keine Schwalben, sondern etwas anderes. Stare vielleicht. Oder Finken. Keine Ahnung.” Sie denkt nach. “Ich bin.” sagt sie dann.
Das kann ich stehenlassen. Als wir das Ende der Brücke erreichen, legt sich der Wind. Der wunderbare Wind, der nach Wasser schmeckt und nach der Ferne. Ich möchte umdrehen, aber wir gehen weiter. Richtung Stadt. Es wird langsam heller. Die Straßen sind leer. “Weißt du noch”, sagt sie, es ist keine Frage. “Was?” - “Früher”, sagt sie, “früher.”
Früher waren die Straßen niemals leer. Früher war es immer Nacht. Eine gute Nacht, eine bunte Nacht. Eine laute Nacht. Jetzt ist es ganz still. Nur das leise Kratzen unserer Schuhe auf dem Asphalt. Ich bleibe stehen, sie dann auch. Es ist ganz still.
“Kalt!” sagt sie, und ich nicke. Eine Kälte, die anders ist als die Abwesenheit von Wärme. Weiß wie Schnee. “Komm, lass uns gehen”, sagt sie, und wir gehen. An fremden dunklen Fenstern vorbei. Unsere Schritte kratzen auf dem Asphalt. Die Straßenlampen gehen aus, als das Licht in die Stadt kriecht. “Zum Bahnhof?” fragt sie. “Wir könnten die Züge anschauen und so tun, als würden wir in den Süden fahren. Wir könnten…, wir könnten in den Süden fahren.” - “Den Bahnhof gibt es nicht mehr.” sage ich. Die Schritte kratzen. Sie flüstert. Ich höre ihre Worte kaum, aber ich kenne sie. Ein Text zur Percussion ihrer Schritte. Die Hände. Die Hände ohne Namen.
Mir scheint, ich bin zu grob gewesen. “Sei nicht traurig”, sage ich. “Ich bin nicht traurig.” sagt sie. “Es gibt immer einen Bahnhof. Irgendwo.”
Donnerstag, 11.02.2010
Journalgeplauder
Das Ohropax steht übrigens im Drogeriemarkt gleich neben den Kondomen. Ich denke noch über Zusammenhänge nach, als ich feststelle, dass auf der anderen Seite der Kondome Hand-Desinfektionsmittel stehen. Also vermutlich kein Zusammenhang, sondern einfach nicht gut durchdacht. Oder ist mir etwas entgangen?
Ich hänge noch ein paar Minuten im Drogeriemarkt rum, weil ich keine Lust habe, in den Schnee hinauszugehen. Ich hatte schon keine Lust, in den Schnee hinauszugehen, als ich von zu Hause aufgebrochen war, aber der Kühlschrank war leer. Es hört aber nicht auf zu schneien, egal, an wie vielen mittelmäßigen Deos ich rieche. Aus einem seltsamen nostalgischen ANfall heraus 4711-Ice gekauft. Es riecht nicht so gut wie früher. Bin nicht sicher, ob es an einer Produktänderung oder an einer Geschmacksänderung meinerseits liegt.
Ansonsten nur Arbeitsalltag. Nebstbei ein bisschen mit Buzz rumgespielt. Ich bin noch nicht sicher, ob es mir gefällt, dass das Social-Networking-Zeugs in meinem Mailaccount sitzt. Ziemlich sicher bin ich aber, dass mir die umsetzung rein optisch nicht gefällt. Mal sehen, wie sich was entwickelt.
Später immerhin endlich 2 September-Flug-Videos online gebracht. Warum sich youtube gegen die ersten 10 Upload-Versuche gewehrt und erst den11. akzeptiert hat, bleibt unklar. Egal. Fliegen Sie mit!
Mittwoch, 10.02.2010
WTF?
Der lärmtechnisch eher ruhige Nachmittag wird plötzlich von markerschütterndem Gebrüll durchschnitten. Es klingt ungefähr so, wie wenn ein ungeübter Metzger versucht, eine Sau abzustechen, während die Sau vor einem Megaphon steht. Ich bin aber ziemlich sicher, dass wir weder Schweine noch Megaphone im Haus haben. Also laufe ich, Telefon in der Hand, auf den Gang, um zu sehen, ob erste Hilfe, Rettung oder Feuerwehr gebraucht werden. Draußen die Nachbarin, die sich grade eine Zigarette anzündet (sie raucht nicht in der Wohnung). Ich frage: “Was war das?” - Sie rollt die Augen und schüttelt den Kopf: “Nichts.” Bevor ich nachfragen kann, fliegt ihre Wohnungstür mit einer Wucht auf, dass das ganze Stockwerk erzittert, und in der Tür steht die 9-jährige Tochter, mit hochrotem Kopf, aber offenbar unverletzt. Sie brüllt, in Sopran-Tonlage, mit der lautesten Stimme, die ich je bei einem Menschen gehört habe: “Ich wiiiiill aber einen Totenkopf auf den Arsch tätowiert haaaaaben!”
Ah, ja.
Ich schätze, ich geh dann Mal Ohropax kaufen.



Hier strömt der Lifestream von Andrea Sturm - also alles, was ich im Netz so hinterlasse. Zumindest ziemlich alles. :) 




