
Die Erkenntnis durchbrach die Wolkendecke und sah nach ihrer langen Reise erstmals das Ziel vor sich. Sie atmete tief ein, zog eine weite Kurve und rollte sich zu einem spitzen Kegel zusammen. So drang sie in den Erwählten ein.
Es dauerte Sekunden, bis nach dem heftigen Gedankenblitz ihr Sehvermögen zurückkehrte. Dann erst erkannte sie, dass sie sich geirrt hatte. Statt den Philosophieprofessor zu treffen, in dessen Kopf sie berühmt werden wollte, hatte sie einen armen Idioten erwischt: einen Schriftsteller - und, schlimmer noch, es war eine Frau.
Die Erkenntnis schrumpfte zusammen und begann leise zu weinen. Sie hatte ihr Lebensziel verfehlt. Niemals würde sie zum Weltbild werden.
wenn ich dich zufällig anschau
aus meiner ganz persönlichen wolke heraus
krault mich vom bauch her eine sanfte tierhand
und ganz schön stark muss ich sein
um meine finger davon abzuhalten
sich zärtlich suchend an deiner
weichheit zu vergehen.
schau ich mit absicht zu dir hin
bleibt mir die zartheit aus.
und doch: dein sanftes clownsgesicht
bricht manchmal ein in meine träume.
dein schmaler, fast schon harter mund
bleibt lang an meiner wange - nach
dem begrüßungskuss.
fast möcht ich dumm genug sein, um
es zu versuchen. doch seh ich deinen
körper lieber so: weit weg von mir &
meiner kopfheit. unvergiftet
von alledem, was schiefgehn könnt.
bleib weg von mir, nur
lach mir manchmal in die träume.
so zwischen zart und gnomisch:
so wie du lachst, wenn
deiner stimme
ein wort danebengeht.
[für J.M.]
deine Hand und meine
ineinander
wie für die ewigkeit
obwohl der mund
das gegenteil spricht
eines nachts diese hand
schützt dort, wo ich am
verletzlichsten bin
wo ich es doch bin
die dich hält
1991 Griechenland (in Arbeit): Auf der Fähre nach Korfu

[Auf der griechischen Fähre zwischen Brindisi und Korfu fotografiere ich verblüfft ein finnisches Rettungsboot, während neben mir ein amerikanisches Pärchen auf die verschwindenden Lichter des Hafens schaut. Die weibliche Hälfte des Pärchens ruft begeistert aus: “Oh look, it’s all so european!”.]