Donnerstag, 11.02.2010
Das Ohropax steht übrigens im Drogeriemarkt gleich neben den Kondomen. Ich denke noch über Zusammenhänge nach, als ich feststelle, dass auf der anderen Seite der Kondome Hand-Desinfektionsmittel stehen. Also vermutlich kein Zusammenhang, sondern einfach nicht gut durchdacht. Oder ist mir etwas entgangen?
Ich hänge noch ein paar Minuten im Drogeriemarkt rum, weil ich keine Lust habe, in den Schnee hinauszugehen. Ich hatte schon keine Lust, in den Schnee hinauszugehen, als ich von zu Hause aufgebrochen war, aber der Kühlschrank war leer. Es hört aber nicht auf zu schneien, egal, an wie vielen mittelmäßigen Deos ich rieche. Aus einem seltsamen nostalgischen ANfall heraus 4711-Ice gekauft. Es riecht nicht so gut wie früher. Bin nicht sicher, ob es an einer Produktänderung oder an einer Geschmacksänderung meinerseits liegt.
Ansonsten nur Arbeitsalltag. Nebstbei ein bisschen mit Buzz rumgespielt. Ich bin noch nicht sicher, ob es mir gefällt, dass das Social-Networking-Zeugs in meinem Mailaccount sitzt. Ziemlich sicher bin ich aber, dass mir die umsetzung rein optisch nicht gefällt. Mal sehen, wie sich was entwickelt.
Später immerhin endlich 2 September-Flug-Videos online gebracht. Warum sich youtube gegen die ersten 10 Upload-Versuche gewehrt und erst den11. akzeptiert hat, bleibt unklar. Egal. Fliegen Sie mit!
Sonntag, 07.02.2010
Es hat schon “Bier- und Popocornqualität”, der Diskussion “alte” gegen “neue” Medien zu folgen, seit Jahren schon, wie sie manchmal hochkocht und sich an Nichtigkeiten entflammt, dann wieder auf kleiner Flamme dahinsiedet, bis jemand ein bisschen Öl ins Feuer gießt und eine kleine Explosion verursacht, die - genau so schnell wieder verpufft. Dazu kommt die Krise der alten Medien und die Nichtigkeit der Neuen, wie sie ebenfalls gerne beschworen wird. Aber wo stehen wir denn?
Ganz aktuell ist es ein Beitrag von Nico Lumma, der darin deutsche (ich nehme an, er meint deutschsprachige) Blogs für nett erklärt und meint, es gibt kein einziges, das man lesen muss. Das stimmt natürlich. Ebenso wie es keine Zeitung, keine Zeitschrift und kein Buch gibt, das man lesen muss. Keine Fernsehsendung, die man sich ansehen, kein Radioprogramm, das man sich anhören muss. Wir leben in Zeiten medialer Freiheit, und das ist verdammt gut so, im Vergleich zu meiner Kindheit auf dem Dorfe, als die Informations-Auswahl sich auf zwei Fernsehkanäle und Kleine Zeitung sowie Kronen Zeitung beim Greißler beschränkte. Es ist, aus heutiger Sicht, kaum zu fassen, aber das Reader’s-Digest-Abo meines Großvaters fiel zu der Zeit fast schon unter Avantgarde. Mit dieser Erinnerung bin ich froh über jedes Blog, jede Zeitung, jede Zeitschrift und jeden sonstigen Kanal, den ich nützen könnte, wenn ich wollte, auch wenn meine Zeit nicht einmal immer für die reicht, die ich tatsächlich konsumieren will. Ich muss nicht. Aber ich kann.
Dann die ebenfalls wiederkehrende Frage, ob es in Zeiten von Twitter und Google-News überhaupt noch Journalisten braucht. Ich finde, es braucht - oder vielmehr bräuchte, denn es gibt leider kaum mehr welche. Von den berühmten 6 Ws finden wir zu aktuellen Ereignissen in der Twitter-Timeline dreieinhalb abgedeckt - Wer, wo, wann - und ein halbes Was. Aufgabe des Journalisten wäre natürlich, das “Wie” und das “Warum” und das “Was jetzt wirklich genau” zu recherchieren und aufzubereiten, aber passiert das? Kaum mehr. Stattdessen lassen sich die Medien in ein Geschwindigkeits-Match hineinziehen, das sie nicht gewinnen können, und pappen bei jeder Gelegenheit einen Schlag Betroffenheitssahne oben drauf, der auch den festesten Magen zum Kotzen bringt. Pathos statt Ethos. Bäh.
Zudem wird kaum mehr selbst recherchiert oder geschrieben. Wundern sich Verlage wirklich darüber, dass niemand für Inhalte zahlen will, wenn ein und dieselbe Agenturmeldung unredigiert und unkorrigiert in allen erreichbaren Medien erscheint? Copy&Paste, oder bestenfalls noch Copy&Shake, ist an die Stelle des Qualitätstexts getreten. Was mit dem Argument der Aktualität in der Chronik eventuell noch verteidigt werden könnte, ist in anderen Ressorts einfach nur peinlich. Die Zeit hat dazu kürzlich einen Blick in die Musikredaktionen geworfen. Und je spezialisierter ein Teilgebiet wird, umso mehr gleichen sich die Texte. Das ist einfach nur fad.
Dazu kommen natürlich die PR-Büros, die in der teils längst viel zu schwammig gewordenen Unterscheidung zwischen redaktionellen und bezahlten Inhalten immer stärker werden. Tatsächlich habe ich bereits erlebt, dass sich ein PR-Schwurbler beschwert hat, dessen Meldung ich inhaltlich korrekt, aber mit eigenen Worten verwendet hatte. “...möchten wir Sie darauf hinweisen, dass das Ändern und Kürzen unserer Presseaussendungen vor der Veröffentlichung nicht erwünscht ist”, stand in der Mail, die mit “auf weitere gute Zusammenarbeit” unterzeichnet war. Danke, so dann lieber doch nicht.
Ein guter Schreiber nimmt sich ein Thema oder ein Ereignis, besieht es sich von allen Seiten, stellt fest, wo die Zusammenhänge liegen, was das eigentlich Interessante an einer Geschichte ist, findet Details, die anderen bisher entgangen oder nicht wichtig erschienen sind, und baut sich daraus einen guten Text. Das kann der Hobbyblogger ebenso wie der Berufsjournalist. Die Unterschiede sind zum einen äußerlicher Natur - man kommt mit Journalistenausweis an viele Informationen einfach näher und/oder schneller dran als ohne. Zum anderen gibt es gewisse Dinge, die man gelernt und verinnerlicht haben sollte, sei es auf der UNI oder im freien Feld. Die fängt bei einfachen Dingen an - wann und wie darf ich Klarnamen und Bilder veröffentlichen? - , geht über rechtliche und ethische Belange bis hin zur manchmal feinen Linie zwischen Fakt und Meinung, zwischen Artikel und Werbung. Man mag einwenden, dass längst nicht alle “Kollegen” da draußen sich an das Gelernte und Gelehrte halten, das ist leider wahr. Das Wissen hilft aber, und zwar nicht zuletzt dem Schreibenden. Gerade in Zeiten des Abmahnwahns ist es beispielsweise von Vorteil, zu wissen, wo die freie Meinungsäußerung mit Persönlichkeitsrechten kollidiert - und sei es nur, um zu erkennen, welchen “juristischen” Posteingang man leise lächelnd in der Rundablage verschwinden lassen kann, und welcher dann doch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.
So what?
Ich möchte mehr gute Inhalte lesen, egal ob der jeweilige Schreiberling das Journalisten- oder das Bloggerkappl auf hat. Ich möchte Artikel lesen, die ich nicht genau so schon fünf Mal woanders gelesen habe. Ich möchte Texte lesen, die kein implizites “Advertorial”-Vermerk mit sich herumtragen. Ich möchte Stories lesen, die ich noch nicht kenne, Aspekte erfahren, an die ich selber nicht gedacht habe, und Denkanstöße finden, auf die ich selber noch nicht gekommen bin.
Und schreiben möchte ich genau so.
Aber wahrscheinlich bin ich da schon wieder einmal hoffnungslos altmodisch idealistisch.
Montag, 25.01.2010

Der Herr Sufi hat meinen alten Studentenausweis ausgegeraben, in dem dieses Foto prangte. Ich finde, es erklärt einiges - zum Beispiel, warum ich bis heute keinen Doktortitel habe…
Samstag, 16.01.2010
Ungeplanter Wohnungs-Großputz: check
Ausgedehnte Wochenend-Wohlfühl-Körperpflege: check
Spontaner Großeinkauf: check
Nicht wirklich notwendige Computer-Neuinstallation: check
Alle drei Punkte auf der heutigen todo-Liste: bislang unberührt
Donnerstag, 31.12.2009

Die besten Wünsche fürs Neue Jahr, und ein guter Vorsatz: Mehr bloggen. Mal sehen, ob er den Weg aller guten Vorsätze geht…
Montag, 02.11.2009
Als ich heute so friedlich trabend auf dem Cross-Trainer stand, bereits am Abkühlen, Schweiß am Trocknen, hörte ich eine Stimme. “Hopp hopp hopp!” - Ich fühlte mich erst nicht angesprochen, es war voll wie immer montags, Geräusche und Gespräche aus allen Richtungen, aber der Stimmeninhaber trat von links in mein Blickfeld und übertönte jovial mein Hörbuch. “So wird das aber nix mit der Traumfigur. Schneller treten!”
Ich war erst Mal verblüfft, noch nie hat mich hier jemand angesprochen, höchstens angelächelt, und auch das nur im Frauenraum, wenn sich Blicke ungewollt und unerwartet im Spiegel trafen. Ich schaute auf das kurze, kugelrunde Männchen, dem die Stimme gehörte, versuchte, es wegzublinzeln, konnte mich aber dem auffordernden Blick nicht entziehen, ohne das Treten vorzeitig abzubrechen. Ungewöhnlicherweise fiel mir eine schlagfertige Gegenfrage ein. “Warum sollte ich mich für deine Traumfigur interessieren?” - Das erwirkte eine seltsame Mischung aus überraschtem Brauenhochziehen und gewolltem Grinsen in seinem Gesicht, aber er erholte sich schnell. “Mit Größe 46 kriegst jedenfalls keinen Mann.”
Die doppelte Fehleinschätzung schmerzte zwar, was mich nach einem Moment des Nachdenkens viel mehr schmerzte, war mein dringendes Bedürfnis, sie zu korrigieren. Anders ausgedrückt: Wäre ich nicht etwas außer Atem gewesen, hätte ich sofort erklären müssen, dass ich
a) Größe 42, nur selten obenrum 44 trage, und
b) bereits einen wunderbaren Mann habe, vielenherzlichendank.
Zum Glück für mein späteres Selbstbewusstsein fehlte die Luft zum sofortigen Widerspruch, der Moment des Sauerstoffsparens geriet zur Nachdenkphase, und ich antwortete schließlich betont lässig (aber durchaus wahrheitsgemäß): “Ich bin nicht zum Abnehmen hier, sondern für die Ausdauer.” - “Jaja”, grinste er, “wird schon” und legte einen Flyer über mein Display, auf dem ein Schlankheitsmittel beworben war, dessen Namen ich auch in meinem Email-Spam regelmäßig lese. Mit einem ekelhaft anzüglichen Zwinkern trat er den Rückzug an, offenbar um sich ein neues Opfer zu suchen.
Die restlichen 2,5min Countdown auf der Maschine waren begleitet von multiplen WTFs in meinem Kopf. WTF wie in “WTF bildet der Typ sich ein”, “WTF hat das mit mir zu tun”, und sogar “WTF mach ich eigentlich hier?”
Zumindest letzteres kann ich mir, geduscht und abgekühlt, eindeutig und zweifelsfrei beantworten: Ich will nächsten Sommer keine 3 Tage Muskelkater mehr kriegen, falls ich wieder in die Lage kommen sollte, 500 Meter rudern zu müssen (oder zu wollen). Ich will nicht mehr schweißgebadet und außer Atem sein, nur weil ich 100 Meter zur Straßenbahn sprinte. Ich will meinen Zwei-Wochen-Urlaub-Rucksack wieder nach Hause in den 4. Stock tragen können, ohne dass ich auf jeder Etage kniezitternd und schnaufend Pause mache. Das sind die drei Gründe, warum ich mich im Fitnessstudio angemeldet habe (na schön, wenn sich dabei das eine oder andere Kilo verabschiedet oder in ansehnlichere Regionen verschiebt, hätte ich nichts dagegen, aber Abnehmen allein wär keine Motivation), und entgegen meinen Erwartungen läuft es bisher ziemlich gut. Mein Körper nimmt die tägliche Bewegung überrascht, aber wohlwollend zur Kenntnis, und obwohl der Entschluss (und der Vertrag) noch kein ganzes Monat alt ist, fehlt mir etwas, wenn der grausame Arbeitsalltag mir diese körperlichen 90 Minuten verwehrt. Aber die innere Erfahrung der neuen Körperlichkeit wär eigentlich Stoff für einen ganz eigenen Eintrag.
Zum Glück für mich und das Fitnesstudio war die Tante an der Rezeption sofort ganz Ohr, als ich ihr von dem unverschämten Eindringling erzählte. “Was, der hat doch längst Hausverbot!” schimpfte sie und griff nach dem Telefon, um die Security auf den Giftzwerg anzusetzen. Gut so; jede andere Reaktion hätte mich wahrscheinlich für immer vertrieben.
Zum Nachdenken blieb trotzdem reichlich Stoff, zB:
Warum, wie, und aus welcher seltsamen Geisteshaltung heraus fällt es einem wildfremden Menschen ein, ein Urteil über meinen Körper abzugeben? - Seine Motivation ist klar, er will sein Mittelchen verkaufen. Warum aber glaubt er, selbst mit einer Rundlichkeit weit jenseits der Norm ausgestattet, mir (oder jeder anderen Frau jenseits von Größe 36) mit zwei, drei unverschämten Sätzen einen Bedarf nach einem künstlichen und vermutlich gesundheitsschädlichen Schlankmacher vermitteln zu können? Warum (und das ist jetzt ein bewusst naives Warum) glaubt er, voraussetzen zu können, dass ich an einem angeblichen Normkörper interessiert sein könnte?
- - -
Auf einer anderen Ebene ähnlich meine Erfahrung mit Chello, die mir seit Monaten einen Umstieg auf Digital-TV schmackhaft machen wollen. Das aktuelle Angebot ist unverschämt günstig, also rief ich die angegebene Nummer an, um “ja” zu sagen. Den angebotenen Techniker (kostenpflichtig) lehnte ich ab und entschied mich für die zugeschickte Selbstinstallations-Variante. Antwort in der Auftragsannahme: “Na, haben Sie wenigstens einen Freund, der Ihnen beim Installieren helfen kann?”
Es ist übrigens, das sei auch einmal ganz deutlich angemerkt, ein durch und durch schönes Gefühl, einen Sufi zu “haben”, der zum Bericht des Telefonats herzlichst lacht und anmerkt: “Du hättest sagen sollen, ‘wenn ich ihm genau sage, was er wo anstecken soll, dann wird es schon klappen’.” Herzerfrischend, aber gesellschaftlich leider wenig relevant.
Mittwoch, 16.09.2009
Bei einer versuchten kritischen Selbstanalyse meines Tagesablaufs (Ziel: mehr Zeit, weniger Stress) ist mir aufgefallen, dass sich in meinen Tag eine ganz seltsame Form von Stehzeiten eingeschlichen hat. Unter bestimmten Umständen verliere ich meine ansonsten durchaus in vernünftigem Maß vorhandene Mutitasking-Fähigkeit. Die Umstände:
- Eine Aufgabe, auf die ich keine Lust habe, die aber trotzdem erledigt werden muss,
und
- etwas, das mich daran hindert, diese Aufgabe zu erfüllen.
Beispiel: Ein Artikel, der geschrieben werden muss - aber dazu fehlt noch eine zentrale Information, und die erwartete Email ist noch nicht da.
Da könnte man doch einiges erledigen, während man aufs Posteingangs-Klingeln wartet, Emails beantworten zum Beispiel, oder auch Telefonate führen; an einem anderen Text arbeiten, Mini-Layout-Korrekturen an der einen oder anderen Seite vornehmen, etc., etc. - aber nix. Stattdessen
- werf ich einen Blick auf ORF.at
- laufe vom Fenster zur Tür und wieder zurück
- lehn mich im Sessel zurück und wundere mich über Staubflankerln an der Decke
- geh wieder zum Fenster und schau nach, wer da unten pfeift
- leg die Füße auf den Schreibtisch und wackle mit den Zehen
- fange an, die Apps auf meinem iPhone hin und her zu schubsen
...und so weiter, und so fort, und schon hab ich eine halbe Stunde verloren. Oder mehr.
Aber lustigerweise eben nur dann, wenn es um eine Sache geht, die ich nicht machen mag. Handelt es sich dagegen um einen Artikel, den ich eh gern schreibe, mache ich in der Wartezeit ganz normal mit anderen Aufgaben weiter. Es scheint sich also um eine seltsame Form der Zielfixierung zu handeln, die mich dann befällt, wenn mir etwas Lästiges bevorsteht, ganz und gar kontraproduktiv und im Side-Effekt die Unlustigkeit noch überbetonend.
Hm. Und wie brech ich das jetzt auf?